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Was Segeln mich über Leadership gelehrt hat

Letzte Woche war ich endlich mal wieder mit einer Segelyacht auf der Ostsee unterwegs.
Die fast neue Bavaria C38 zu testen, stand schon länger auf meiner Liste.

Seit meinem Umzug von Luzern nach Berlin im Jahr 2007 hat sich mein Freizeitfokus von den Bergen aufs Meer verlagert. Nach zwei intensiven Jahren auf Sportkatamaranen und unzähligen Stunden auf den Berliner Gewässern habe ich schließlich die nötigen Scheine gemacht – um endlich selbst ein „Dickschiff“ segeln zu dürfen.

Die anfänglich romantische Vorstellung von lauen Sommerabenden unter weißen Segeln wich schnell einer Realität, die alles andere als gemächlich ist: Segeln bedeutet Dynamik, Verantwortung, Entscheidungsfreude und permanentes Lernen. Eine Leidenschaft, die fordert – und gleichzeitig ungemein formt.

Auf dem Wasser wird schnell klar, wie entscheidend klare Kommunikation, Vertrauen und situatives Handeln sind. Die Parallelen zur Führung eines Teams an Land sind verblüffend: Beide Welten folgen denselben Prinzipien – nur das Element ist ein anderes.

Andreas Sickert beim Segeln

Die Crew – ein Team

Gemeinsame Ziele schaffen Orientierung.
Vor jedem Törn wird der Kurs gemeinsam und vorausschauend geplant. Die Crew kennt Ziel, Route, mögliche Gefahren und die Wetterlage. Genauso braucht jedes Team im Unternehmen klare Ziele, realistische Einschätzungen und Transparenz über Risiken.

Klare Rollen schaffen Vertrauen.
An Bord weiß jeder, wann und wie zu handeln ist. Klare Zuständigkeiten geben Sicherheit – ob am Ruder, beim Segelsetzen oder im Projektmanagement.

Beobachten heißt führen.
Wind, Wellen und Strömung verändern sich – genau wie Märkte und Wettbewerber. Wer aufmerksam bleibt, erkennt Veränderungen früh und kann reagieren, bevor es kritisch wird.

Stabilität statt Aktionismus.
Auf See gibt es keine starren Vorfahrtsregeln. Entscheidend ist, den Kurs zu halten und erkennbar zu bleiben – auch wenn andere hektisch manövrieren.

Kommunikation ist alles.
An Bord muss jede Ansage präzise, eindeutig und bestätigt sein. Das stärkt Vertrauen, schafft Sicherheit in den Abläufen und fördert den Zusammenhalt – wie in jedem guten Team.

Fehler sind Chancen.
Fehler gehören dazu – entscheidend ist, wie man mit ihnen umgeht. Sie offen anzusprechen, zu diskutieren und gemeinsam daraus zu lernen, ist Teil einer gesunden Crew- und Unternehmenskultur.

Ruhephasen sind Trainingszeit.
Wenn der Wind nachlässt, wird geübt: Manöver, Abläufe, Kommunikation. Auch Unternehmen sollten ruhige Phasen nutzen, um Prozesse zu reflektieren und sich auf kommende Herausforderungen vorzubereiten.

In stürmischen Zeiten zählen Klarheit und Vertrauen.
Wenn Wind und Wellen zunehmen, bleibt keine Zeit für lange Diskussionen. Dann braucht es Erfahrung, Ruhe und klare Ansagen. Führung heißt, Verantwortung zu übernehmen und die Crew sicher durch den Sturm zu bringen.

Was bleibt.
Die Crew entscheidet, in welchem Revier sie segelt – Ostsee oder Mittelmeer. Der Kurs wird jedoch von Wetter, Wind und Wellen bestimmt. Der Weg ist das Ziel, Umwege gehören dazu, und die Leidenschaft treibt uns an.

Zusammengefasst:

Segeln ist für mich Leadership in Reinform:
Nicht Kontrolle, sondern Vertrauen.
Nicht Macht, sondern Verantwortung.
Nicht Geschwindigkeit, sondern Klarheit.

Der Weg ist das Ziel.
Leidenschaft ist der Antrieb.
Vertrauen ist der Wind, der uns trägt.

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